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24.10.2018

Zielstrebig in die Ausbildung zur Altenpflegerin

„Der Anfang war sehr schwer aber aufgeben ist mir nie eingefallen“, erzählt uns Martina Jukić. Am 1. August 2018 hat sie im Caritas-Altenzentrum Heilig Geist in Frankenthal ihre 3-jährige Ausbildung zur Altenpflegerin begonnen. Am 17. Oktober 2018 besuchen wir sie und ihren Vorgesetzten, Florian Kutschke-Käß, den Leiter der Senioreneinrichtung, die über 80 vollstationäre Pflegeplätze verfügt. Die 30-jährige gebürtige Kroatin berichtet uns im Interview von ihrem Weg zum Einstieg in den Pflegeberuf, der im Februar 2018 beim VFBB e. V. in Ludwigshafen begann.

 „Schon als Kind hatte ich Interesse an medizinischen Themen“, erzählt sie. „Aber eigentlich hat mich mein Mann auf die Idee gebracht, eine Pflegeausbildung zu machen“, erzählt sie und lacht. Seit 2015 ist sie mit ihrer Familie in Deutschland, das Kind besucht mittlerweile die Grundschule. Obwohl noch einige Hürden zu nehmen sind, verfolgt sie ein klares Ziel: die 3-jährige Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin schnellst möglich beginnen und alles Notwendige dafür tun. Da sie in Frankenthal wohnt, bewirbt sie sich beim ortsansässigen Caritas-Altenpflegezentrum Heilig Geist für die Ausbildung und wird zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Heimleiter Kutschke-Käß sieht, dass noch einige Zugangsvoraussetzungen geschaffen werden müssen, deshalb liegt die Zusammenarbeit mit VFBB-Mitarbeiterin Annett Fiedler nahe. Seit 2013 kooperiert er bereits mit ihr im Projekt „Einstieg in die Pflege“. Schritt für Schritt arbeitet Annett Fiedler zusammen mit den Teilnehmenden daran, alle Zugangsvoraussetzungen zu schaffen und somit den Weg in die Pflegausbildung zu ebnen.

„Frau Jukić hatte zwar starkes Interesse für den Pflegeberuf aber keinerlei Erfahrungen“, erklärt Fiedler. „Kontakt zum Frankenthaler Altenzentrum hatte sie schon aufgenommen, also ging sie dort ins Praktikum, um sich einen Einblick zu verschaffen.“ Vorher wurden die Bewerbungsunterlagen ergänzt, ein polizeiliches Führungszeugnis beantragt und alle Formulare für das Personalbüro vorbereitet. Außerdem muss sie  die Kinderbetreuung während des 2-Schicht-Betriebes sichern, den Antrag zur deutschen Zeugnisanerkennung stellen und den Nachweis ausreichender Deutschkenntnisse erbringen. Weiterhin ist die Bewerbung um einen Schulplatz bei der Caritas-Fachschule für Altenpflege in Ludwigshafen erforderlich. Annett Fiedler bietet der Teilnehmerin an, an den Vorbereitungen zur B2-Sprachprüfung beim VFBB e. V. teilzunehmen, was sie gerne annimmt. Für das Altenzentrum ist zwar diese Prüfung nicht zwingend notwendig, man verlässt sich eher auf die Überprüfung der Sprachkenntnisse durch die Caritas-Fachschule. Dennoch entspricht die B2-Prüfung dem regulären Zugangsniveau ausländischer Bewerber für eine Ausbildung in Deutschland. Deshalb arbeitet Martina Jukić auf den Prüfungstermin hin.

Anfang April 2018 fängt sie im Caritas-Altenzentrum Frankenthal als Praktikantin an. Schon in den ersten vier Wochen findet sie sich so gut ein, dass Ende April bereits die Zusagen der Heimleitung und der Fachschule vorliegen: Am 1. August 2018 kann sie ihre Ausbildung beginnen. Bis dahin arbeitet sie sich weiter ein. „So schnell wie bei Frau Jukić liegen die Zusagen für Ausbildungs- und Schulplatz selten vor“, erklärt VFBB-Betreuerin Fiedler. „Meistens dauert es bis zur Entscheidung drei, vier oder sogar sechs Monate.“ Aber Scheitern war für Martina Jukić keine Option. „Am Anfang waren es sehr viele Informationen und sehr viel Verantwortung. Aber ich habe mir gesagt, das ist nur der Anfang, es wird ja besser“, berichtet sie.

Schritt für Schritt geht es für Martina Jukić weiter: Im Juni legt sie als externe Teilnehmerin die B2-Prüfung beim VFBB e. V. in Ludwigshafen ab. Im Juli trifft die deutsche Anerkennung ihres bosnischen Abiturzeugnisses ein. Annett Fiedler teilt ihr kurz danach ihr B2-Prüfungsergebnis mit, das mit 282,5 von 300 Punkten sehr gut ist. „Frau Jukić kam und sagte ich will“, berichtet Kutschke-Käß rückblickend. „Sie ist sehr ehrgeizig und fleißig. Wir sind uns sicher, dass sie ihre Ausbildung zielstrebig und gut schaffen wird.“ Sie selbst sieht es als Vorteil für ihre Pflegeausbildung, schon 30 Jahre alt zu sein. „Ich habe schon eine Familie, bin reifer und habe gelernt, Verantwortung zu tragen. Aber länger wollte ich nicht warten“, sagt sie. Auf unsere Frage nach ihrer Motivation antwortet sie selbstbewusst: „Ich möchte etwas aus meinem Leben machen.“
Zum Ende unseres Besuches nimmt sie stolz ihr B2-Zertifikat von Annett Fiedler entgegen. Wir bedanken uns für das Interview und wünschen Martina Jukić alles Gute für ihren weiteren beruflichen Weg.

Finanziert wird das Projekt 'Einstieg in die Pflege' von der GABIS GmbH.
Foto: Annett Fiedler (rechts) übergibt das B2-Zertifikat im Beisein von Heimleiter Florian Kutschke-Käß an Auszubildende Martina Jukić (links)