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17.08.2018

Rückenwind-Teilnehmer erfolgreich: Perfektes Matching zwischen Praktikant und Betrieb

Ludwigshafen: Nach der 12. Klasse hatte er etwa 50 Bewerbungen für die Ausbildungsberufe Industriekaufmann, Versicherungs- und Einzelhandelskaufmann geschrieben. „Schon als Kind habe ich gemerkt, dass ich kein handwerkliches Geschick habe. Ich wollte schon früh mit Zahlen und Kunden zu tun haben und diese Wahl hat sich im Unterricht der Berufsbildenden Schule in Bad Dürkheim als richtig bestätigt“, erklärt Alexander Wielinski. Personal- und Warenwirtschaft waren dort ebenso Themen wie Buchhaltung, Handel, E-Commerce und Logistik, wodurch er sehr gute kaufmännische Grundkenntnisse erwerben konnte. Sein Berufswunsch stand damit fest, aber auf seine Bewerbungen erhielt er nahezu keine Resonanz.

Auch den Vermittlungsvorschlägen der Agentur für Arbeit ist er nachgegangen, doch leider hat nichts geklappt. „Ich war völlig verzweifelt und konnte mir einfach nicht erklären, woran es lag“, so der 18-Jährige weiter. „Ich hatte ja schließlich Fachabitur und mein Zeugnis war nicht schlecht“, erklärt er. Schließlich wurde er von der Agentur für Arbeit Ludwigshafen auf das Projekt „Rückenwind“ aufmerksam gemacht und stellte sich am 8. August 2017 im Ludwigshafener VFBB-Büro vor.

Angela Kothe vom Rückenwind-Team gab ihm im Coaching Tipps, wie man ein aussagekräftiges Anschreiben verfasst und sich gut im Bewerbungsgespräch präsentiert. „Dann konnte ich mir auch erklären, warum ich nur Absagen bekommen hatte. Da war noch viel Luft nach oben“, berichtet Alexander Wielinski. 

 Auf die Frage nach seinen persönlichen Erfahrungen im letzten Jahr erzählt er: „Als ich dann bei Rückenwind war, ging alles recht schnell. Ich habe gelernt, wie ich meine Bewerbungsunterlagen optimieren kann. Frau Kothe hat mich dann gefragt, ob ich mich für ein Praktikum als Groß- und Außenhandelskaufmann bei METRO bewerben möchte“, erklärt er. „Das hab ich direkt gemacht, sie hat mich zum Vorstellungsgespräch begleitet und die Zusage für ein Probepraktikum kam prompt.“ Am 14. September 2017 kann er für zwei Wochen „schnuppern“, zunächst lernt er die Feinkostabteilung, dann die Haushaltsabteilung kennen. Ende September bekommt er die Zusage von METRO in Oggersheim, dass er dort seine Einstiegsqualifizierung als Großhandelskaufmann beginnen kann.

„Jetzt kann ich endlich zeigen, was ich kann“
Der 19-jährige fährt täglich vom Wohnort Birkenheide mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Arbeitsplatz. Er lernt viel Neues kennen: In der Elektroabteilung ist es das Warenwirtschaftssystem, die Retourenbearbeitung und Disposition. „Das muss man alles Mal gesehen haben. Ausführen darf man aber nur unter Anleitung, um keinen Schaden anzurichten“, erklärt er. „Das war bisher die beratungsintensivste Abteilung, Kundengespräche stehen hier an der Tagesordnung.“ Alle Abteilungen findet er spannend aber am besten gefällt ihm die Arbeit in der Fischabteilung. Sowohl der kollegiale Umgang im Team, das ihn nett empfangen hat, als auch die Arbeit mit verderblicher Ware, die besondere  Kenntnisse erfordert. „Man lernt schnell dazu“, erklärt er. „Manches bekommt man am Anfang erklärt und dann arbeitet man einfach nach Anweisung mit. Früher dachte ich, als Großhandelskaufmann verbringt man viel Zeit im Büro. Aber man bewegt sich ständig in Verkaufshallen, holt Waren aus dem Lager, füllt die Regale nach und führt Beratungsgespräche.“ Genau das ist es, was Alkexander Wielinski gut gefällt: die Abwechslung.Er gilt als williger und ordentlicher Praktikant. Am Anfang ist er noch etwas zurückhaltend aber dann öffnet er sich, lernt dazu und wird schnell sicherer. „Nach den vielen Absagen im letzten Jahr war ich so frustriert, dass es mir ziemlich schlecht ging“, erzählt er. „Bei der METRO hat zum ersten Mal was geklappt und ich dachte: Jetzt kann ich endlich zeigen, was ich kann!“

Durchweg positive Rückmeldungen von den Ausbildern
Aus dem berufsbezogenen Unterricht an der BBS Bad Dürkheim Fachrichtung Handel und E-Commerce  hat er gute theoretische Vorkenntnisse, die ihm jetzt zu Gute kommen. Bereitwillig unterstützt er andere Azubis mit einem Nachhilfeangebot, was im Unternehmen sehr begrüßt wird. In Absprache mit dem Ausbildungsleiter ist dies auch mal während der Arbeitszeit für eine Stunde möglich. Kommt er in eine neue Abteilung, wird zunächst ein Lernziel definiert, das am Ende im Rückmeldegespräch zwischen Ausbilder und Azubi überprüft wird. Dabei lernt Herr Wielinski, dass er seine eigene Leistung sehr gut beurteilen kann. Meist stimmt seine Einschätzung mit der seiner Ausbilder genau überein.

Am 18. Mai 2018 findet ein gemeinsames Abschlussgespräch statt, an dem der angehende Azubi, VFBB-Betreuerin Katja Stramer, und die Verantwortlichen von METRO Deutschland teilnehmen. „Wir sind begeistert vom Projekt Rückenwind. Herr Wielinskis schulische und praktische Leistungen sowie sein soziales Engagement sind vorbildlich“, so die Resonanz der Geschäftsleitung. „Wir haben ein durchweg positives Bild von Herrn Wielinski gewonnen. Aufgrund dieser Faktoren gibt es keinerlei Zweifel, ihm einen Ausbildungsvertrag ab 1. August 2018 anzubieten“, so Betriebsleiterin Manja Keul. Sichtlich erleichtert nimmt Alexander Wielinski das Angebot an.

Mit „Rückenwind“ direkt ins zweite Lehrjahr
Besonders freut er sich, dass ihm das Rückenwind-Jahr angerechnet wird und er am 1. August 2018 direkt ins zweite Ausbildungsjahr einsteigen kann. „Das war schon ein tolles Gefühl als ich die Ausbildungszusage bekommen habe. Aber als dann der Ausbildungsvertrag unterschrieben war, ist mir ein riesen Stein vom Herzen gefallen. Und meinen Eltern auch. Sie haben mich die ganze Zeit unterstützt und sind sehr stolz auf mich. Abends sind wir zusammen essen gegangen und haben gefeiert.“VFBB-Mitarbeiterin Katja Stramer, die Alexander Wielinski bis Juli 2018 weiter betreut hat, sagt rückblickend: „Er ist im Projekt ‚Rückenwind‘ unser leuchtendes Beispiel. Es gibt wenige Teilnehmer, die so pünktlich, zuverlässig und gründlich sind wie er. Er hat sich immer gemeldet, manchmal schon bevor er es sollte“, erklärt sie. „Im Betrieb bekam er von Anfang an gute Rückmeldungen. Obwohl er zunächst noch schüchtern war, war er immer fokussiert bei der Sache. Durch seine gute Auffassungsgabe und einer engagierten Arbeitshaltung konnte er seine Leistungen kontinuierlich steigern.“ 

Als er sich Mitte Juli 2018 zu einem Interview mit uns bereit erklärt, ist keine Spur mehr von dem zurückhaltenden 18-Jährigen. Der 19-jährige Alexander Wielinski hört gut zu, seine Antworten sind präzise, treffend und ausführlich. Das erfolgreiche Jahr hat ihn offen, konzentriert und selbstbewusst werden lassen.„Frau Keul, Betriebsleiterin bei METRO, sagte: Es ist das perfekte Matching“, berichtet Katja Stramer. „Dass es bei Herrn Wielinski auf Anhieb so gut geklappt hat, konnten wir am Anfang auch nicht wissen aber es freut uns sehr, dass er sich so gut entwickelt hat.“ Vor allem habe er bei METRO Ludwigshafen, einem Unternehmen, das zum ersten Mal mit „Rückenwind“ kooperiert hat, die Türen für nachfolgende Teilnehmer geöffnet.

Für den heutigen Azubi war es ein langes Jahr voller Engagement und Disziplin, das er intensiv genutzt hat. „Das ganze Jahr hab ich mir gesagt: Bau bloß keinen Mist“, sagt er und lacht. Aber das tägliche Berichteschreiben und Listen führen empfand er als „viel zu arg“. Das möchte er zum Schluss noch höflich sagen. Oft musste er in den großen METRO-Hallen noch nach einem Verantwortlichen suchen, um seine Anwesenheitsliste unterschreiben zu lassen, auch wenn er dann den Bus verpasste. Wöchentliche Listen hätten ihm das Leben etwas leichter gemacht. Dennoch hat er alle Regeln akzeptiert und viel Disziplin bewiesen.
Wir bedanken uns bei Herrn Wielinski für dieses Interview und wünschen ihm weiterhin viel Erfolg.

Über das Projekt: „Rückenwind“ ist eine Form der Ausbildungsförderung, die der VFBB e.V. durchführt und die GABIS GmbH finanziert. Es ebnet Jugendlichen den Zugang zum Ausbildungsmarkt. Sie werden in einen Kooperationsbetrieb vermittelt, wo sie erste praktische Erfahrungen im gewünschten Berufsfeld sammeln können, mit dem Ziel, in eine anschließende Ausbildung zu münden. Der VFBB e.V. begleitet mit Kompetenzfeststellung, Bewerbungstraining, Coaching und Stützunterricht. Die GABIS GmbH stellt den sozialversicherungspflichtigen Arbeitsvertrag aus und zahlt das Bruttomonatsentgelt von 460 Euro. Diese Form von Bildungssponsoring folgt den gemeinnützigen Prinzipien des Unternehmensverbundes VFBB | GABIS | DIAG.